PROJEKT

Projektberichte

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Infos zum Projekt

Klimafreundlicher Wirtschaftsverkehr in Kommunen als Beitrag zur Energiewende.

Die Energiewende ist ein Projekt von bisher noch unbekannter gesellschaftlicher Größenordnung. Dabei ist die Reduzierung der Energiewende auf den Ausstieg aus der Atomkraft zu kurz gegriffen. So macht allein der Verkehrssektor rund ein Fünftel des in Deutschland ausgestoßenen CO2 aus, Tendenz steigend. Denn der Energiebedarf des Verkehrs steigt weltweit weiterhin stark an. Über 80 Prozent dieser Emission stammen direkt aus den Auspuffen von Autos, Lastwagen und Motorrädern. Ein erheblicher Anteil der Verkehrsemissionen wird durch Lieferverkehr verursacht, dessen Anteil am Verkehrsaufkommen ebenfalls weiter steigt. Das wird deutlich, wenn man bedenkt, dass 2012 bereits 6,5 Prozent des Gesamtumsatzes des deutschen Einzelhandels auf Onlineshops zurückgehen, die Ihre Waren selbstverständlich direkt zum Kunden liefern. Die Schattenseiten dieses Siegeszuges sind eine stärkere Belastung der Verkehrsinfrastruktur, der Umwelt und erhöhter Druck auf lokale Einzelhändler in Kommunen. Um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden bedarf es daher kreativer und innovativer Delivery-Konzepte und Geschäftsmodell-Innovationen, die aufgrund der hohen Komplexität nur durch die Einbindung verschiedenster Akteure entwickelt und zum Erfolg gebracht werden können.

Das Projekt hat zum Ziel, den Einsatz von Fahrrädern im Wirtschaftsverkehr auf kommunaler Ebene und den dadurch zu leistenden Beitrag zur Energiewende und Klimaschutz genauer zu ermitteln und zu erproben. Damit ermittelte Potenziale auch tatsächlich ausgeschöpft werden können, müssen neue Geschäftsmodelle rund um den Einsatz von (Lasten-)Fahrrädern – gerade in urbanen Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet – erarbeitet und getestet werden. So könnte der Einzelhandel beispielsweise seine Kunden noch am gleichen Tag per Fahrradkurier beliefern; eine Kfz-Werkstatt könnte statt reiner Autovermietung und -reparatur den gleichen Service auch für Elektrofahrräder anbieten; Handwerker könnten Ihre Kundenbesuche mit Lastenrädern machen; Apotheken könnten Medikamente per Elektrofahrrad ausliefern. Damit Geschäftsmodell-Innovationen erfolgreich sind und die Erschließung neuer und kreativer Geschäftsfelder dazu führen lokale Wettbewerbspositionen zu stärken, müssen infrastrukturelle, finanzielle und rechtliche Hürden identifiziert und überwunden werden.

Spätestens seit dem nationalen Radverkehrsplan 2020 nimmt das Fahrrad als Transportmittel in der politischen Diskussion einen neuen Stellenwert ein. Insbesondere das Lastenrad wird als Transportmittel sowohl für private als auch produktive Zwecke (also Wirtschaftsverkehr) berücksichtigt. Es wird davon ausgegangen, dass sich „(z)ukünftig (…) im gewerblichen Bereich durch den Einsatz von Pedelecs bzw. Anfahrhilfen und neu entwickelten Sammel- und Verteilkonzepten vermehrt Logistikaufgaben mit dem Fahrrad abwickeln (lassen). Mit dem Fahrrad erreichen Zusteller gerade auf der letzten Meile im Stadtverkehr – bei entsprechender Infrastruktur für Fahrräder – eine hohe Produktivität“. Allerdings ist der Einsatz von Fährrädern im deutschen Wirtschaftsverkehr bisher kaum untersucht und der Einsatz beschränkt sich auf wenige Modellprojekte. Und das, obwohl das geschätzte Potenzial sehr groß ist: Unternehmen können Anschaffungs- und Treibstoffkosten sparen, das Klima wird geschont und der Verkehr in überfüllten Innenstädten wird entlastet.

Die Untersuchung neuer Geschäftsmodelle erfordert einen hohen Grad an interdisziplinärer Forschung, die sowohl ökonomische, ökologische, juristische sowie sozialwissenschaftliche Aspekte einbezieht. Eine Einzelbetrachtung der unterschiedlichen Perspektiven würde nur ein sehr eingeschränktes Bild wiedergeben. Hinzu kommt, dass es sich beim Einsatz von Fahrrädern im Wirtschaftsverkehr um eine branchenübergreifende Untersuchung handeln muss. Denn die eingesetzten Fahrräder müssen zu den Bedürfnissen der potentiellen Anwender passen und die Einsetzbarkeit hängt zu einem großen Teil von den lokalen Bedingungen vor Ort ab. Das Projektkonsortium deckt diese Anforderungen auf einzigartige Art ab: die wissenschaftliche Begleitung und Fokussierung auf Geschäftsmodell-Innovationen (ZU), mit der Expertise von Herstellern (Zweirad Einkaufsgenossenschaft) in Zusammenarbeit mit einer Kommune (Stadt Herne), ist bisher so noch nicht durchgeführt worden. Verschiedene lokale Veranstaltungen sowie die Einbindung lokaler Akteure in die Ermittlung von Geschäftsmodellen und im Feldversuch, sind ebenfalls Teil des Projektes.